2010: Ein Kursprojekt an der EPFL
2010 stand eine Gruppe von 20 Studierenden im Softwareentwicklungskurs von Prof. George Candea an der EPFL vor einer ganz besonderen Herausforderung. In den meisten Kursen arbeiteten kleine Gruppen an getrennten Aufgaben. Hier dagegen schloss sich der ganze Kurs zusammen, um ein einziges, gemeinsames Projekt zu entwickeln. Heute heisst der Studiengang Software Entreprise und hat im Jahr 2025 bereits 200 Studierende aufgenommen!
Am Anfang standen Gespräche mit Studierenden
Um herauszufinden, was wir bauen sollten, befragten wir zuerst unsere Kommilitoninnen und Kommilitonen auf dem ganzen Campus: Was würde euren Alltag an der EPFL wirklich einfacher machen?
Das Feedback war eindeutig. Die Studierenden brauchten eine zentrale mobile App, um ihren Campusalltag zu bewältigen. Wir befanden uns im Jahr 2010, in den Anfängen der Smartphones. Eine Campus-App auf Basis von User Research zu entwickeln, war damals etwas völlig Neues.
Aufgebaut wie ein Softwareunternehmen
Für die Umsetzung wurde der Kurs in Teilteams mit klar verteilten Verantwortlichkeiten organisiert, ganz wie in einem echten Softwareunternehmen. Wir arbeiteten in wöchentlichen Sprints und wandten damit agile Methoden an, die später zum Branchenstandard werden sollten.
Die ersten Funktionen der Campus-App
Wir konzentrierten uns auf die wichtigsten Grundfunktionen:
Stundenplan
Tägliche Menüs der Mensen
Interaktiver Campusplan
Metro-Fahrplan (die offiziellen Apps für den öffentlichen Verkehr waren damals ziemlich schwach, deshalb war diese Funktion besonders wichtig)
Von der Live-Demo zu Android, iOS und Web
Im Dezember 2010, am Ende des Semesters, präsentierten wir unseren funktionsfähigen Prototyp in einer Live-Demo vor Stakeholdern der EPFL und führenden Vertreterinnen und Vertretern der Industrie.
Die Resonanz war überwältigend, und ein harter Kern von uns wollte das Projekt nicht aufgeben. Wir entwickelten es in den folgenden Semesterprojekten weiter und veröffentlichten im Herbst 2011 unsere erste öffentliche Android-Version. Damit auch iPhone-Nutzer nicht leer ausgingen, entwickelte unser Mitgründer Loïc Gardiol im Frühling und Sommer 2012 die iOS-Version von Grund auf; sie erschien im Herbst 2012. Ein paar Jahre später führten wir eine Webversion für den Desktop ein, damit Studierende PocketCampus auch direkt auf ihrem Laptop nutzen konnten.
2013: Die offizielle Campus-App der EPFL
Mobile Apps waren für die IT-Abteilungen von Hochschulen damals noch kaum ein Thema. Trotzdem wagte die EPFL 2013 einen mutigen Schritt: Sie vertraute unserem studentischen Projekt und machte PocketCampus zur offiziellen Campus-App der EPFL.
2016: Vom Studierendenprojekt zum Schweizer Startup
2016 gründeten Loïc Gardiol und Amer Chamseddine PocketCampus als Schweizer Startup, um dieses Erlebnis auch an andere Hochschulen und Unternehmensstandorte zu bringen. Im Lauf der Jahre wurde aus den ersten Funktionen deutlich mehr, angetrieben von den Wünschen unserer Nutzer und Kunden und von unseren eigenen Ideen:
Kursunterlagen (Moodle-Integration) & Noten
Raumreservierungen & Anzeige der Raumbelegung in Echtzeit
Digitale Studierenden- und Mitarbeitendenausweise, Visitenkarten & integrierte E-Wallets
News, Veranstaltungen & Echtzeit-Messaging mit Push-Benachrichtigungen
Dahinter stecken zahlreiche technische Integrationen mit bestehenden Legacy-Systemen sowie Partnerschaften, die wir in der ganzen Branche aufgebaut haben.
PocketCampus heute
Und heute?
Marktführer in der Schweiz für All-in-one-Campus-Apps, mit wachsender Präsenz in Frankreich
33 Institutionen als Kunden & über 130’000 monatlich aktive Nutzer
Vom ersten Tag an zu 100 % eigenfinanziert, ein Meilenstein, auf den wir unglaublich stolz sind
Ein engagiertes Team von 9 Mitarbeitenden
Alles begann mit 20 Studierenden, die in wöchentlichen agilen Sprints gemeinsam an einer einzigen Kursaufgabe arbeiteten. Man sollte nie unterschätzen, wohin ein Kursprojekt an der Uni führen kann.